September 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Aug    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Höhlen

Wir sollten in Höhlen leben! Little Flixo kann seit heute nachmittag mit Fug und Recht behaupten, er besitze eine der schönsten Höhlen nördlich des Äquators! Wir haben sie in Opas Garten errichtet. Eigentlich hat Opas Garten sie unter den jahrzehntelang wildwuchernden Büschen für uns bereit gehalten und wir haben sie einfach nur ein wenig herausgearbeitet, aber sie ist wirklich phantastisch gelungen.

Ich habe bei der Errichtung festgestellt, dass ich in all den Jahren nichts an meiner langjährig erarbeiteten Perfektion im Bereich Höhlen- und Budenbau eingebüßt habe, wenngleich sie in meinem Berufsleben nur äußerst selten Anwendung findet – was im Großen und Ganzen sehr bedauerlich ist, da große Teile eines meiner Haupttalente völlig brach liegen. Mit großem Eifer haben das Söhnchen und ich trockene Äste abgeknickt, rausgerissen und abgeschnitten, so dass wir nun ein wahres Höhlensystem in Opas Sträuchern geschaffen haben: mehrere zum Teil recht komfortable Räume, in denen es sich als Erwachsener stellenweise sogar stehen lässt.

Unsere Höhle hat sehr viele Vorteile: Sie ist blickdicht, einigermaßen regengeschützt und sehr luftig, so dass es nicht schimmelt und alle Höhlenbewohner stets gute Luft atmen. Sonne erhalten wir besonders Abends, sie scheint dann durch die Äste mitten in unserem Höhlenhauptzimmer. Haustiere wie Spinnen, Fliegen und sonstiges Krabbelgetier sind gratis dabei. Vorteil: Man muss sie nicht füttern und wenn sie sterben, sterben sie eben. Die kleine Anhöhe zu unseren Nachbarn hin, ist ein wunderbares Naherholungs und Klettergebiet, von der man auch prima herunterpurzeln kann. Unsere Nachbarn Jutta und Gerd sind sehr nett und haben uns auch gleich heute Abend schon gegenseitig begrüßt und auf gute Nachbarschaft angestoßen. Sonntag laden wir sie zum Kaffee in unsere Höhle ein, aber erst müssen wir uns noch unsere Polstergarnitur schnitzen. Den Boden haben wir bereits mit der Stock-als-Besen-Reinigungs-Methode von allerlei Geäst und Brennesseln befreit.

Selbst Opa war bei einer ersten Stippvisite total baff und beschloss spontan, in die Nebenhöhle zu ziehen. Oma ist dagegen. Sie hat Angst allein im Haus zu schlafen. Aber das ist kein Problem, wir haben ein Höhlentelefon. Dreimal mit dem Stock auf den ASt geklopft heißt: Alles okay, uns geht es gut. Das Höhlen-Internet läuft noch ein bisschen ruckelig, die Würmer brauchen eben, bis sie die einsen und nullen ins Haus übertragen haben, aber ansonsten haben wir in unserer Höhle alles, was wir brauchen. Ein gutes Buch wäre nicht schlecht, aber ach, es gibt ja so viel zu erzählen!

Lokomotiven

Das Leben! Geht alles immer schneller? (So wollte ich immer schon mal anfangen!) Nein! Unser Sohn hat eine Brio-Eisenbahn. Genauer gesagt ist es die alte Brio-Eisenbahn meines Mannes (wir haben beschlossen, dem Sohn jetzt erstmal kein Spielzeug zu kaufen, sondern recyceln die Restbestände). Gemeinsam haben die beiden Jungs nun ein ausgetüfteltes Streckensystem quer durch unser Wohnzimmer gelegt. Da das Söhnchen anfänglich wie Godzilla über die Gleiste stapfte, um die Lokomotive fortzubewegen, haben wir uns entschlossen, auf die elektrische Variante umzusteigen. Wir kauften für acht Euro eine elektrische Zuglok von Eichhorn, die die holprigen Schienenstränge ganz wunderbar passiert. Was für ein Spaß! Das Söhnchen hockt nun stundenlang vor den Gleisen und sieht der kleinen Lok dabei zu, wie sie im Schneckentempo über die Gleise schnauft. Sie ist so schwach, dass wir unisono bei jeder Steigung laut: “Uff, uff, uff, uff, uff, uff … aaaaah!” rufen. Das findet das Söhnchen besonders witzig und hat “uff” und “aaah” gleich in sein bislang auf etwa fünf Worte begrenztes Sprachrepertoire aufgenommen.

Problem: Die Lokomotive ist so beliebt, dass der Sohn nicht mehr ohne kann! Egal ob beim Essen, beim Schlafen, beim Ausflug in den Zoo, die Lok muss immer mit! Ohne geht gar nichts mehr. Das Söhnchen ist voll auf Brio, wir befürchten das Schlimmste: Persönlichkeitsstörungen, Vereinsamung, das ganze Programm. Wir werden ihm das Suchtmittel wohl entziehen müssen, vielleicht schenken wir ihm stattdessen einfach eine Spielkonsole.

Puerthermie

Auf der Suche nach alternativen Energien bin ich heute auf eine gewinnträchtige Bioenergiequelle gestoßen: Das Söhnchen.

Unser Söhnchen ist ein kleines Kraftwerk. Es produziert während des Schlafs so viel Wärme, dass man damit morgens locker zwei Doppelhaushälften beheizen könnte. Ich lege ihn Abends in sein normal temperiertes Zimmer, morgens gleicht es einer Sauna. Da ich das Fenster aufreiße, verpufft diese Energie derzeit nutzlos. Es tut mir leid, dass unser Söhnchen entscheidend zur Erderwärmung beiträgt und diese Potentiale der natürlichen Energiegewinnung durch Puerthermie in Deutschland dermaßen brach liegen. Was könnten in diesem Sektor für Arbeitsplätze geschaffen werden! Kindergärten und Kitas würden zu neuen, leistungsstarken Kraftwerken umgebaut.

Mein Vorschlag deshalb: Die Solaranlagenförderung kappen, das Geld umschichten in die Kinderproduktion, diese anzapfen – et voila, zwei Probleme auf einen Schlag gelöst!

Polgar

U.: “Sag mal, kannst du mir das Buch von diesem Typen von Tucholsky herunterholen?”
M.: “?”
U.: “Das Buch, was du letztens so günstig erstanden hast, obwohl es woanders viel, viel teurer war!”
M.: “?”
U.: “Irgendwas mit O und oder mit P.”
M.: “?”
U.: “Das Buch, das Harry Rowohlt signiert hat.”
M.: “Ach du meinst Alfred Polgar!”
U.: “Genau!”
M.: “Sag das doch gleich!”
U.: “Ich denke eben mehr so brasilianisch.”

1,2 oder 3

Meiner Generation wird oftmals vorgeworfen, sie sei sprunghaft. Was will man von uns auch anderes erwarten? Wir sind mit 1-2-oder-3 sozialisiert worden!

Landschaftsmalerei

Man erfand die Waschmaschine, den Trockner, den Geschirrspüler und die Dampfbügelstation. Das alles nur, um den Frauen mehr Zeit zu schenken. Mehr Zeit sich zu emanzipieren, mehr Zeit für politische Bildung und Teilhabe. Und was machen die Frauen mit ihrer gewonnenen Zeit? Sie malen sich Miniaturlandschaften auf ihre Fingernägel!

Schützenfest

7:23 Uhr: Spielmannszug = Terrorwecker (stehen senkrecht in den Betten)

8:20 Uhr: Beantrage telefonisch Asyl bei meinen Schwiegereltern!

9:10 Uhr: Söhnchen zeigt unentwegt auf die Tür. Draußen macht es “Uff-tata!” Er will raus. Ich schiebe es auf die Gene.

9:30 Uhr: Dem Söhnchen zuliebe gehe ich in die Schützenmesse: Voll die Fahnen-Trompeten-Uniformen-Mega-Action, Disneyland auf westfälisch.

9:31 Uhr: Ist Bluthochdruck eigentlich Aufnahmekriterium für den Schützenverein?

9:38 Uhr: Schützenfest = Tradition und Brauchtumspflege. Schön, wenn man zwei Gründe zum Trinken hat.

9:40 Uhr: Das Söhnchen ist sichtlich beeindruckt von den vielen Orden. Ich befürchte, er glaubt, das alles hier sei eine wichtige Angelegenheit.

9:41 Uhr: Der evangelische Pastor schleimt mächtig herum und sagt, Schützen hätten immer festen Boden unter den Füßen. Da sieht man mal wieder, wie realitätsfern und weit die Kirche inhaltlich von ihren Schäfchen entfernt ist.

11:50 Uhr: Junge Männer mit finsteren Mienen und geschulterten Spazierstöcken haben sich in Zweierreihe aufgestellt und versperren uns den Weg zu unserem Haus, die Polizei guckt tatenlos zu! Umweg über Münster kostet uns zwei Stunden.

19:10 Uhr: Die ersten Schützenbrüder lassen sich von ihrer Exekutive, Oberbefehlshaber Ehefrau, willenlos an der Hand führen und werden ins Bett strafversetzt.

20:35 Uhr: Marschieren in Schlangenlinien wird perfekt beherrscht!

22:42 Uhr: Vereinzelte Schützenbrüder haben das Dorf besetzt: Kommando Pinkeln, Grölen, Saufen hält die Stellung!

Schnurpfeln

“Welch ein schöner poetischer Begriff für das Erlernen des Fädelns.” gefunden hier: http://shop.naefspiele.ch/ch_de/schnurpfel.html

Sohnemännchen

Das Söhnchen konnte vor einer Woche endlich recht passabel auf seinen zwei Beinchen laufen. Also beschloss ich, mit ihm zum Buchladen zu gehen. Da die ganze Lauferei aber keiner so richtig bemerkt hatte – außer den Apothekerinnen “Guckt mal, er kann laufen, ach wie süß!”, der Buchhändlerin, dem Versicherungsvertreter, der Bäckereiinhaberin, der Frau des Versicherungsvertreters und dem Fahrschullehrer – und dem Söhnchen die ganze Sache mit dem Laufen zu einfach und langweilig erschien, verlernte er es prompt wieder, um es nun, eine Woche später, auf die konventionelle Weise zu lernen: “Komm’ in Mamas Arme!” ‘Komm’ in Papas Arme!” “Wer kommt in Oma Sitas Arme?” “Wer kommt in Oma Gerdas Arme?” “Wer kommt in Tante Kathies Arme?” “Wer kommt in Onkel Eckis Arme?” Bei so vielen Armen wird es Jahre dauern, bis das arme Kind laufen kann…

ZDF

Beeindruckend, wie die ZDF heute-Redaktion in der Halbzeit des WM-Spiels aber auch keine Steilvorlage auslässt, um den Pass von der WM zur deutschen Innenpolitik zu schlagen und noch jede schlecht kombinierte Wortvorlage ungeniert reinhaut.