Erwachsen werden 1

Woran merkt man, dass man erwachsen wird?

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Downton Abbey

Liebes J.,

(…)

1912, herrlicher englischer Landsitz, tolle Ausstattung (Kleidung, Mobiliar, Geschirr, Silber, Essen etc.), jede Szene wie Gemälde. Eigentlich passiert auch – bis auf ein paar Intrigen, die man glatt Intrigchen nennen möchte –  nicht sonderlich viel, sondern die Serie mäandert auf einem extrem hohen ästhetischen und schauspielerischen Niveau so dermaßen stilvoll unterhaltsam vor sich hin, dass es fürwahr die allerbeste Entspannung ist, die man sich nach stundenlangen familiären Tischrunden an Weihnachtsabenden nur vorstellen kann!

(…)

Habe nicht zuletzt deswegen in einem Anfall großbürgerlichen Wahnsinns erstmalig unsere gesamten Silberbestände aus diversen Schränken, Kästen und Schubladen hervorgekramt und für Heilig Abend noch glatt blank poliert. So versammelte sich zumindest ein recht kurioses Initialienwirrwarr auf unserem Esstisch.

(…)

Deine U.

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B-Day

Gestern war er endlich da, der B-Day. Der Boden-Tag, genauer, der  ”Auf den Boden schmeiß”-Tag. Weil das Söhnchen seinen Willen nicht bekam, warf er sich kurzerhand  erstmalig vor Opas Kamin theatralisch wimmernd und schwer seufzend zu Boden. Das wiederum sah so ungelenk, unprofessionell und halbherzig aus, dass ich beschloss, ihm erstmal zu zeigen, wie das mit dem “Auf den Boden werfen” richtig geht. “Sieh mal Kind, du darfst dich dabei nicht mit den Händen abstützen und schon gar nicht vorher langsam in die Knie gehen! Und merke: Nur Verlierer liegen gerade! Wimmern ist ja wohl ein absolutes No go!” Und ich warf mich also laut schreiend und kreischend neben ihn auf den Boden, wälzte mich geschickt verkrümmt in der hysterischen Seitenlage, von der aus man nun – je nach Situation und Umfeld (ganz wichtig: Sind alte, solidarische Nörgeldamen Marke:  ”Unmöglich! Nun lassen sie das Kind doch!” – in der Nähe?) weiter entscheiden kann.

Das Söhnchen guckte verdutzt und probierte es schließlich auch, bis es einigermaßen klappte und ich ihm stolz auf die Schulter klopfte. Wir übten in den folgenden Tagen noch folgende Situationen durch: Supermarktkasse, Fleischtheke, Animationspferdchen und im Supermarkt Eigangsbereich. Ich muss sagen,  das Söhnchen hat echt Talent, aber zum professionellen “Auf-den- Boden-Werf-Kind” wird es wohl nicht reichen. Na ja, morgen probieren wir es mal mit Stampfen.

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Schlafstörungen

Facebook wird einem – insbesondere bei schwangerschaftbedingten nächtlichen  Schlafstörungen – zu einem lieben und unterhaltsamen Begleiter:

Sandra: Schlaf? Ich falte Schafe aus Buettenpapier!

Ute: Origamisnob, du!

Sandra : Ute! Mach mit!

Ute: Liebe Sandra, ich kann nicht! Schweres Kindheitstrauma aufgrund frühkindlicher Origami-TV-Episoden: Hübsche, intelligente und fleißige Asiatinnen (Achtung! Gelbe Gefahr schon in den frühen Achtzigern!) zeigen westfälischen Nachwuchsbastlern (mit klobigen Händen vom vielen Kartoffeln sammeln) wo der globale Bastelhammer hängt – entwürdigend! Statt Giraffe, Kranich oder Teufel hatte ich am Ende immer nur Klumpen.

Sandra: Uebrigens hat meine Tochter ein Prickel – Trauma. Ich habe sie aus dem Kindergarten genommen, da ich die Vermutung hatte, dass die Erzieher eines Tages ohne Augen dastehen würden.

Ute: Dazu muss ich sagen, dass ich eine leidenschaftliche Pricklerin war und – statt Fachabi im Origamibusiness – über eine alternative Karriere als Häuschenlaternen-Prickel-Führungskraft nachdachte. Leider sind meine Showcases regelmäßig abgefackelt…

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Baked Beans

Gestern postete ein Freund sein selbstgekochtes englisches Frühstück bei Facebook. Beim
Anblick des Fotos mit Backed Beans erinnerte ich mich an eines meiner absurdesten
Fernseherlebnisse: Bei Alfredissimo bereitete die Schauspielerin Anna Thalbach ein
englisches Frühstück zu. Biolek, zuvorkommend wie immer, stellte zu Beginn der Sendung nonchalant ein paar Fragen und Thalbach schwärmte: “Ich koche sehr gerne für Freunde und tue ihnen damit etwas Gutes. Ich mag es, wenn es den Leuten, die ich gerne habe, gut geht” und sagte Dinge wie “Jeder, der zu mir kommt, bekommt dann mein englisches Frühstück. An diesem Gericht erkennt mich jeder. Wer so ein warmes Frühstück einmal bei mir gegessen hat, kommt auch immer wieder”. Der Zuschauer wartete nunmehr gespannt, mit welcher lukllischen Gaumenfreude Thalbach angesichts dieses aufgebauten Erwartungshorizonts aufwarten würde.
Sofort machte sich Anna Thalbach ans Werk und schwups, ehe Bio sich
versah, standen zwei Dosen Campbell’s Baked Beans auf dem Tresen. Es wurde ein wenig Speck
aus einer Packung gerissen und in der Pfanne angebraten, dazu zwei Spiegeleier und während
die Dosenbohnen in ihrer dicklich, rötlichen Soße im Topf wabernd vor sich hin köchelten (kamera von oben!), versuchte Biolek die Situation zu retten mit Kommentaren wie: “Ah, Oh, ja, interessant! So machen die Engländer das also?”
Angesichts der ganzen Kochshows, in denen sich Otto Normalo neuerdings an den kompliziertesten, aufeinandergestapelten Cremespeisen und unaussprechlichsten Vorspeisen in den wildesten Kombinationen versucht, war Thalbachs “Way of Basic Cooking” eigentlich gar nicht so verkehrt, Reduce to the max! Das ist es, was die Frauen und Mütter von heute wirklich brauchen: Dose auf, Maul auf, Freunde satt! Glück kann so einfach sein!

Gestern postete ein Freund sein selbstgekochtes englisches Frühstück bei Facebook. Beim Anblick des Fotos mit Baked Beans erinnerte ich mich an eines meiner absurdesten Fernseherlebnisse: Bei Alfredissimo bereitete die Schauspielerin Anna Thalbach ein englisches Frühstück zu. Biolek, zuvorkommend wie immer, stellte zu Beginn der Sendung nonchalant ein paar Fragen und Thalbach schwärmte: “Ich koche sehr gerne für Freunde und tue ihnen damit etwas Gutes. Ich mag es, wenn es den Leuten, die ich gerne habe, gut geht” und sagte Dinge wie “Jeder, der zu mir kommt, bekommt dann mein englisches Frühstück. An diesem Gericht erkennt mich jeder. Wer so ein warmes Frühstück einmal bei mir gegessen hat, kommt auch immer wieder”. Der Zuschauer wartete nunmehr gespannt, mit welcher lukullischen englischen (Achtung: contradictio in adiecto)  Sensation Thalbach angesichts dieses aufgebauten Erwartungshorizonts aufwarten würde.

Sofort machte sich Anna Thalbach ans Werk und schwups, ehe Bio sich versah, standen zwei Dosen Campbell’s Baked Beans auf dem Tresen. Es wurde ein wenig Speck aus einer Packung gerissen und in der Pfanne angebraten, dazu zwei Spiegeleier und während die Dosenbohnen in ihrer dicklich, rötlichen Soße im Topf wabernd vor sich hin köchelten (Kamera von oben!), versuchte Biolek die Situation zu retten mit Kommentaren wie: “Mhhhh, ah, oooooh, ja, interessant! So machen das die Engländer also?” als sei die Entdeckung der Dose ein Meilenstein im Gault Millau neumodischer Gourmettrends.

Das war 2008. Angesichts des Unwesens an TV-Kochshows, in denen sich Otto Normalo auf kosten der GEZ neuerdings an den kompliziertesten, aufeinandergestapelten Cremespeisen (möglichst im dickbauchigen Weinglas serviert!) und unaussprechlichsten Vorspeisen (hui, das ist aber toll dekoriert!) in den wildesten Kombinationen versucht, war Thalbachs “way of (very) basic cooking” eigentlich gar nicht so verkehrt, reduce to the max! Das ist es, was die Frauen und Mütter von heute wirklich brauchen: Dose auf, Maul auf, Freunde satt! Glück kann so einfach sein!

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Kiffertalk

Das Schöne am Internet ist ja der Zufall. Ein falscher Klick und du landest in einer dir völlig fremden Welt. Auf der Suche nach einem Rezept für Kohlrabi in Mehlschwitze, bin ich auf der Seite Kiffertalk gelandet. Schon interessant, was andere Menschen so bewegt: “Kann man Bonsais rauchen?” “Kiffermusik: Die Top Ten” oder die lustigsten Kifferspiele.  Zum Beispiel das Penis-Spiel, das mit 4.444 Klicks zu den beliebtesten Kifferspielen gehört:  Statt eines Namens, setzt man bei einem Filmtitel einfach das Wort Penis ein. Das ist voll lustig: “Herr der Penisse”, “V wie Penis”, “Die fetten Penisse sind vorbei”,  ”Ein Penis kommt selten allein” und so weiter. ich frage mich, ist das also der berühmte kreative Kick beim Kiffen? Von wegen Bewusstseinserweiterung und so? Wow!

Kiffertalk empfiehlt mir, meine Muskatnuss für die Kohlrabimehlschwitze nicht zu rauchen (”schmeck scheußlich”). Das ist natürlich blöd, wo ich doch gerade das Pfeifchen des Stutenkerls damit gestopft hatte…

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O Kackibaum

Na super,  während andere Kinder fleißig Weihnachtsgedichte einstudieren, hat unser Söhnchen drei Wochen vor Heilig Abend die Fäkalsprache entdeckt und alles ist jetzt entweder Pupsi, Kacki oder Pippi. Da kommt der Pupsilaus ins Kackihaus, dann kommt das Pippi raus – ha, ha, ha! Und aus dem Kinderzimmer schallt es nach ausgiebigem Textstudium der letzten Wochen laut: “O Kackibaum, O Kackibaum…”

Aber wie ich in Internetforen gelesen habe, ist das ganz normal für ein Kindergartenkind, eine anarchistische Phase eben.  Frei nach dem Motto Anpassung statt Ausgrenzung lassen wir als moderne und aufgeschlossene Eltern der kreativen Ader unseres  Söhnchens freien Lauf und stimmen fröhlich mit ein, wenn es heißt:

Kackige Nacht, Kackige Nacht,
Pupsi Furz, Kotzi Schnurz,
rotzig sabbernde AA-Pracht!
Stinkikacki in Windel gemacht!
Nase voll! Oh, wie toll,
jauchzt es laut von nah und fern,
Rotzeangeln haben wir gern!
Benglein brüllt Hallelujah,
Popel ist endlich da!

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Wartezimmererlebnisse

salbe-fuer-da-unten

Am Montag war ich bei meiner Frauenärztin und da war so ein altes westfälisches Ömmaken (”Kerl, wo sind denn hier anne’ Jardrobe die Hakens?”) und man kriegt ja, im Wartezimmer vor sich hin dösend, bei Ärzten immer auch ein bisschen was von den Krankheiten seiner Mitmenschen mit. Jedenfalls meinte die Frauenärztin abschließend zu der Oma: “Sie müssen da Creme drauf tun!” “Wat? Creme?” “Ja, das sieht nicht so gut aus…” “Ich hab’ da unten aber noch nie Creme drauf getan!” “Ja, aber jetzt müssen sie das mal machen…”.  Bei mir läuft da ja dann immer schon das Kopfkino an: Was, wenn Oma beim Eincremen von “da unten” plötzlich feststellt, was sich “da unten” noch so alles verbirgt? Au Weia…  Ich sage euch, wenn Oma demnächst einen Herzinfarkt bekommt, die Frauenärztin ist schuld daran und ich bin Zeugin! Ich werde die ganze Angelegenheit anhand der Todesanzeigen in der Lokalpostille mal im Auge behalten. Von wegen “plötzlich und unerwartet. Pah, ich weiß doch Bescheid! Luderomas…

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Elternhobbys

lost-teddy

Es gibt ein schönes Elternhobby, es heißt: Nachschicken von Kindersachen, die man bei gegenseitigen Besuchen vergessen hat.  Und weil uns das so viel Freunde bereitet, machen M. und ich das neuerdings so: Geschickt platzieren wir im Laufe des Treffens zwei oder mehrere Gegenstände an den unmöglichsten Orten bei unseren Freunden. Sind wir dann wieder zu Hause, rufen wir sie an und fragen, ob sie beispielsweise Lätzchen xy oder Pullöverchen yz irgendwo gesehen haben, wir hätten das bei ihnen vergessen und bräuchten das ganz dringend. Und schon beginnt für unsere Freunde eine oftmals wochenlang dauernde, spannende Odyssee durch ihre eigene Wohnung. Ein Riesenspaß für groß und klein!

Spielbar ab 0+ Jahren, für zwei oder mehrere Teilnehmer, verschiedene Schwierigkeitsgrade möglich, Upgrade ab 2012 erhältlich

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Bettelbrief-Battle

cartoon-ute-singendes-einhorn

Neulich lief im Fernsehen bei Anne Will eine Diskussion über Gutmenschen. Hab ich mir natürlich angeguckt, gewissermaßen als direkt Betroffene. Die Will hätte mich ruhig einladen können, auf ihr Sofa, da hätte ich mal richtig auspacken können, über mein Leben als Gutmensch und mit was für Schwierigkeiten und Vorurteilen wir heute in Deutschland noch täglich zu kämpfen haben! Am helllichten Tag! Allein schon bei der Post!

Es ist nämlich nicht leicht, im Alltag immer ein Gutmensch zu sein, im dicken Winterparka, wenn vor einem zehn Leute in der Warteschlange stehen und über die Eurokrise reden und wie man die beseitigen könnte (”Weg mit den faulen Griechen!”), das Handy klingelt und sich das Kind brüllend auf den Boden wirft, weil es das singende Einhorn in der nebenliegenden Spielwarenabteilung nicht zum fünfzehnten Mal anmachen darf. Aber davon weiß ja auch die Margot ein Lied zu singen, Margot Käßmann, meine Leidensgenossin, die saß natürlich auch da, bei der Will. Die hatte zwar kein singendes Einhorn, dafür aber 1,54 Promille im Blut beim Autofahren.

Was ja blöd ist, dass man immer nur von sich behaupten kann, dass man ein Gutmensch ist, das kann man ja nicht messen – oder gibt es dafür schon eine APP? Oder ein Punktekonto, auf dem man Gutmenschenpunkte sammeln kann, so wie Payback.  Aber Weihnachten naht und neuerdings veranstalten wir im Freundes- und Bekanntenkreis einen Bettelbrief-Battle. Da liege ich bislang echt gut im Rennen: Misereor, Unicef, Caritas, Kinder in Not, Kindernothilfe, Brot für die Welt, Deutsche Denkmalschutzhilfe, Bethel, Ein Platz an der Sonne, Gemeinsam für Afrika… und dabei habe ich bei den meisten noch nie gespendet! Aber würden die Hilfsorganisationen mir so viele Bettelbriefe schicken, wenn ich kein Gutmensch wäre? Das wäre doch total dumm von denen! Momentan sammle ich die alle und dann werde ich die der Margot mal schicken, versehen mit ein paar netten Zeilen: Margot eat this!

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